"Digitale Arbeitswelten: Roboter und Algorithmen - neue Partner oder Konkurrenz?

Die Digitalisierung der Arbeitswelt schafft mit virtueller Produkt- und Prozessgestaltung eine nie dagewesene Flexibilität der Lösungen im Herstellungsprozess. Miteinander kommunizierende Maschinen können variabel gesteuert, Prozesse können in Echtzeit angepasst werden und ermöglichen auf diese Weise eine bedarfsgerechte Planung der Produktion. Darüber hinaus erfasst die neue Freiheit durch Vernetzung auch die individuelle Arbeitswelt. Das globale Nomadentum wird als Arbeitsmodell der Zukunft gehandelt. Jeder kann von überall Informationen abfragen, verbreiten, kommunizieren und so Teil eines maximal vernetzten Arbeitsprozesses sein. Komplexe Prozesse können in kleine Arbeitsschritt unterteilt, verteilt und in ständiger Transparenz jederzeit abgearbeitet werden. Im Gegensatz dazu sind Arbeitnehmer*innen damit einem steigenden Optimierungsdruck und verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben ausgesetzt. "Digitaler Stress" tritt in allen Branchen und Tätigkeitsarten auf, aber wie werden wir damit umgehen? Welche Rolle wird der Mensch noch in der Arbeitswelt der Zukunft spielen? Müssen wir Angst haben, dass wir bald nur noch als variables Bindeglied zwischen optimierten Maschinen dienen?

Es diskutierten:


Am dritten Abend der Dialog Kontrovers-Reihe unter Moderation von Dr. Inga-Maria Eichentopf wurde zum Thema „Digitale Arbeitswelten: Roboter und Algorithmen – neue Partner oder Konkurrenz“ diskutiert - mit Fokus auf die Veränderung der Arbeitswelt durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Daten- und Textanalysen bei der Planung von Produktionsstrecken und die Verwendung von Robotern zur Unterstützung des Menschen. Dass der Einsatz neuer Technik einen signifikanten Einfluss auf die Art wie wir arbeiten und auch leben hat, steht außer Frage. Die Auswirkungen auf den einzelnen Menschen in Form von digitalem Stress und die Veränderung des (Stellen-)Wertes der Arbeit sowie die damit verbundenen zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen sind jedoch kaum abschätzbar. In der Runde zur Arbeit 4.0 diskutierten Prof. Adrian Müller, Professor am FB Informatik der HS Kaiserslautern, Dr. Andreas Bischof, Nachwuchsgruppenleiter an der Professur Medieninformatik an der TU Chemnitz sowie Prof. Dr.- Ing. Leif Goldhahn, Professur für Produktionsinformatik an der HS Mittweida miteinander.

Prof. Müller und Dr. Bischof sind sich dabei einig: die Leistungsfähigkeit der künstlichen Intelligenz wird überschätzt: wenn überhaupt, dann wird es, noch mehrere Jahrzehnte dauern bis man mit Hilfe von KI das menschliche Gehirn nachbilden kann. Prof. Müller betonte, dass eine KI derzeit lediglich dazu fähig ist immer nur eine ganz eng begrenzte Aufgabe zu erfüllen. Sie sei demnach weit davon entfernt dem Menschen Konkurrenz zu machen.

Auf den positiven Effekt der verbesserten Ressourceneffizienz durch eine optimierte Planung von Produktionsabläufen und die Verwendung von Algorithmen, wies Prof. Dr. Goldhahn hin. Er sieht Roboter und Virtual Reality als Unterstützung für den Menschen, die zu verbesserten Arbeitsbedingungen führt.  

Weiterhin waren die Gäste des Abends sich einig, dass Teamfähigkeit, Kreativität, Bereitschaft zu stetigem Lernen und soziale Fähigkeiten, die Qualitäten sind, die Arbeitnehmer*innen in Zukunft mitbringen müssen, um optimal mit Robotern und KI zusammen arbeiten zu können.

Konsens herrschte ebenfalls dazu, dass uns die Arbeit nicht ausgehen wird. Tätigkeitsfelder werden sich stark verändern oder wegfallen, jedoch kommen auch eine Reihe neuer Berufe hinzu. Dr. Bischof kritisierte dagegen die schlecht bezahlten, meist nicht sozialversicherten und vergleichsweise unregulierten Arbeitsbedingungen von über App-Plattformen vermittelten Dienstleistungen. Hinter vernetzten Angeboten der sog. „Gig-Economy“ stünden oft Menschen, die sogar Daten für KI-Systeme vorbearbeiteten.

In der insgesamt positiven Bilanz des Abends kann jedoch festgehalten werden, dass die Menschen nicht dazu verdammt sind der technischen Entwicklung „hinterherzulaufen“, sondern sich auf ihre Fähigkeiten außerhalb von Routinearbeit und Leistungsoptimierung konzentrieren sollten. Denn der menschliche Faktor ist das wirtschaftliche Potential der Zukunft.