Wissenschaftliche Grundlagen in der Studieneingangsphase

Eine immer heterogener werdende Studierendenschaft mit unterschiedlichem Bildungshintergrund sowie der stetig steigende Anteil an ausländischen Studierenden stellen die Hochschulen vor große Herausforderungen.  Das Projekt Wissenschaftliche Grundlagen in der Studieneingangsphase greift diese Problematik auf. Abgestimmt auf das Gesamtkonzept zur Steigerung des Studienerfolgs werden darin Lernangebote für zwei zentrale Problembereiche hochschulweit und zielgruppenspezifisch an der Hochschule Mittweida entwickelt, pilotiert und nachhaltig etabliert. Die damit adressierten Themen sind zum einen die mangelnden Kenntnisse und Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten, zum anderen die Defizite im mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzprofil der Studienanfängerinnen und -anfänger.

Aktuelles

27.03.2017: Online-Einstufungstest für Fachenglisch

Fehlendes Grundlagenwissen gefährdet den Studienerfolg: das gilt auch für die Fachenglisch-Module, die Bachelorstudierende häufig in den ersten beiden Semestern verpflichtend belegen. Leider werden Defizite auch hier oft erst zu spät bemerkt. Das führt nicht nur zu schlechten Leistungen in den Prüfungen, sondern kann das Weiterführen des Studiums erschweren, verzögern oder ganz verhindern. Pünktlich zum Semesterstart wurde deshalb ein Online-Einstufungstest auf der Lernplattform OPAL eingerichtet, der den Studierenden helfen soll, Ihre Englischkenntnisse möglichst früh, möglichst genau einzuschätzen. Das Ziel ist es, Studierende mit besonders starken Schwierigkeiten in diesem Fach so früh wie möglich zu identifizieren und so besser beraten und begleiten zu können: für diese Zielgruppe läuft ein ab Sommersemester 2017 semesterweise stattfindendes Förderangebot bestehend aus E-Learning- und Präsenzanteilen. In Zukunft soll dieses Angebot auch unter Anleitung von studentischen TutorInnen durchgeführt werden.

16.03.2017:Anforderungsanalyse zu Kursen zum Wissenschaftlichen Arbeiten beendet

Im Projekt wurden die Anforderungen an Kurse zum Wissenschaftlichen Arbeiten in zwei Bachelor-Studiengängen mit großen Studierendenzahlen (Allgemeine und Digitale Forensik sowie Biotechnologie) mit den Fachverantwortlichen diskutiert und fixiert. Die involvierten Professuren und unsere Projektmitarbeiter favorisieren ein Modell, das aus Workshops zu allgemeinen Themen des Wiss. Arbeiten (Recherche, Literaturverwaltung, wissenschaftstheoretische Grundlagen), die vom Projekt durchgeführt werden und fachspezifischen Kursen besteht, die von den jeweiligen Professuren übernommen werden. Diesbezügliche Workshops befinden sich in der Entwicklung.

14.02.2017: Begleitstudie zum Teilnahmeverhalten an Mathematikvorkursen

Um Studierende mit Vorwissensdefiziten in Mathematik auf ihr Studium vorzubereiten, finden an nahezu allen Hochschulen in Deutschland sogenannte Mathematikvorkurse statt. Unklar ist dabei, ob damit auch tatsächlich diejenigen erreicht werden, die noch Lücken in ihrem Vorwissen haben oder nicht viel eher diejenigen, die Spaß an Mathematik haben. Eine Begleitstudie des Projekts geht dieser Frage nach. Dazu wurden im Wintersemester 16/17 knapp 400 Erstsemesterstudierende befragt. Die Ergebnisse werden aktuell zur Publikation vorbereitet.

Teilprojekte

Teilprojekt 1: Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens

Aus der alltäglichen Beratungspraxis sowie aus aktuellen Studien ist bekannt, dass ausreichende Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten unter Studienanfängern nicht vorausgesetzt werden können. Mehr noch: Bei der Betreuung von Bachelorkandidaten zeigt sich, dass die Studierenden diese Kompetenzen auch nicht zwingend über die Fachkurse erwerben. Es ist daher erforderlich, den Prozess der Ausbildung von Wissenschaftlichkeit in Kooperation mit den Fächern zu begleiten, anzuleiten und in einem verpflichtenden Modul curricular zu verankern.

Um die notwendige Anzahl an Kursen zum wissenschaftlichen Arbeiten durchführen zu können, bietet sich ein Multiplikatorenmodell an. TutorInnen der einzelnen Studienfächer werden gezielt und passgenau geschult. Die Inhalte können durch die TutorInnen selbst an die eigenen Studiengänge angepasst werden. Zudem obliegt ihnen die selbständige Durchführung der Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten. Aus hochschuldidaktischer Sicht ist dies sehr sinnvoll, da es zwischen den einzelnen Fächerkulturen noch sehr weitreichende Unterschiede zu Fragen der Wissenschaftlichkeit gibt.

Durch die Schulung der TutorInnen aus den Fächern lassen sich diese Belange genau an die jeweilige Zielgruppe anpassen. In Kooperation mit den Zielfächern wird ein engmaschiges Coaching der TutorInnen entwickelt und die TutorInnen werden zudem bei der Erstellung von Handreichungen, Präsentationen und Übungsaufgaben unterstützt. Aufgrund der angestrebten zunehmenden Internationalisierung der Lehre werden einige Studiengänge der Hochschule Mittweida gänzlich oder zum Teil auf Englisch angeboten (z. B. Master „Applied Mathematics in Digital Media“, Bachelor „Energy Efficiency and Englishes“). Daher ist es notwendig, das Programm zu TutorInnenschulung und -coaching sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch anzubieten. Teilweise unterscheiden sich gerade im Punkt wissenschaftliche Formulierungen und Wissenschaftsstil die beiden Sprachen erheblich.

Sind diese Phasen für Präsenzkurse abgeschlossen, wird die Entwicklung eines Blended-Learning-Angebots zum wissenschaftlichen Arbeiten angestrebt, das für Studiengänge mit wenigen Präsenzphasen und für Präsenzstudierende als Ergänzung genutzt werden kann.

Teilprojekt 2: Mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen

Mathematisch-naturwissenschaftliche Module stellen für Studienanfänger aller Fachbereiche eine besondere Herausforderung dar. Häufig sind sie für leistungsabhängige Studienabbrüche bzw. Schwundquoten verantwortlich.  Betroffen sind insbesondere ingenieurwissenschaftliche Studiengänge. Ein Grund für dieses Phänomen wird in zu wenig spezifischen und nicht bedarfsgerecht mathematisch-naturwissenschaftlichen Inhalten gesehen. Aber auch in Studiengängen, die vordergründig keine mathematischen Grundlagen vermitteln, sind diese Module Grund für eine Verlängerung der Studienzeit oder gar einen Abbruch/Wechsel der Studierenden.

Neben ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen trifft dies auch für Studiengänge mit Modulen zum Umgang und zur Analyse von statistischen Verfahren und Methoden zu. Das Modul „Mathematisch-Naturwissenschaftliche Grundlagen“ nimmt sich dieser Problematik an: Dazu werden alle Module eines Studiengangs – insbesondere in höheren Semestern – auf mathematisch-naturwissenschaftliche Inhalte überprüft. Diese Inhalte stellen dann die Grundlage für die im Modul „Mathematisch-Naturwissenschaftliche Grundlagen“ gelehrten Inhalte dar. So wird sichergestellt, dass das Modul konkret die Bedarfe der Studierenden des jeweiligen Studiengangs berücksichtigt. Das Verfahren wird zunächst für einen Studiengang entwickelt und pilotiert. Nach einer Evaluation soll es für andere Studiengänge angepasst werden.