Urban Production - Kommt die Industrie zurück in die Stadt?

Durch Schlankere, emissionsärmere und individuelle Produktionsprozesse sowie eine Vielzahl weiterer Entwicklungen kehren bestimmte Industriebranchen mit Ihrer Produktion in die Stadt zurück. Dieses Forschungsvorhaben untersucht, welche Industriebranchen/Unternehmen (zukünftig) für eine urbane Produktion geeignet scheinen. Als so genannte „Future Urban Industries“ zeichnen sich diese u. a. durch flexible und emissionsärmere Produktionssysteme aus und sind vor allem auf qualifizierte Mitarbeiter, Wissen und Innovationen angewiesen. Darüber hinaus soll analysiert werden, wie derartige Unternehmen ihren urbanen Kontext definieren und welche Anforderungen diese an einen städtischen Standort knüpfen. Weiterhin werden vorhandene rechtliche Regularien mit Blick auf die Ansiedlung urbaner Produktionen untersucht und schließlich abgeglichen, inwieweit (inner-)städtische Brachen, Konversionsflächen etc. den Standortanforderungen identifizierter urbaner Produktionen entsprechen können. 

Projektlaufzeit: seit 2017 

Ausgangslage

Moderne Produktionstechniken benötigen moderne Produktionsstandorte. Dies gilt insbesondere für „Future Urban Industries“, die hinsichtlich ihrer Entwicklung und dem Bestehen im Wettbewerb auf einen urbanen Kontext angewiesen sind. Beispielsweise weist SPATH darauf hin, dass „fortschreitende Globalisierung, volatile Märkte und kurze Produktlebenszyklen […] von produzierenden Unternehmen hohe Flexibilität und Qualifikation ihrer Belegschaft, gerade vor dem Hintergrund weitergehender Individualisierungstendenzen [fordern].“ [SPATH u.a. 2014, S. 61.]

Das Konzept der urbanen Produktion (Urban Production) bietet in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, geeignete Branchen in die Innenstädte zurück zu holen und bereits vorhandene Infrastruktur (weiter) zu nutzen. Innerstädtisch brachliegende Flächen, Konversionsflächen, ehemalige Produktions- und Industriegebäude etc. mit geeigneten Standortmerkmalen können so wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Dies trägt auch zur Reduzierung der innerstädtischen Flächenversiegelung und des Verkehrsaufkommens (geringere Pendeldistanzen) sowie zur Fachkräftebindung bei, indem Arbeitsplätze in die Städte und damit in die nahe Umgebung der Wohnstandorte verlagert werden. 

Ziel

Das Forschungsvorhaben befasst sich mit einem bisher kaum wissenschaftlich reflektierten Thema. Die Erkenntnisse und erarbeiteten Instrumente (Kriterienkataloge, Handlungsempfehlungen etc.) dienen zum einen der Bewusstseinsbildung, dass Produktionsansiedlungen nicht notwendigerweise Neuausweisungen von Gewerbegebieten auf der „grünen Wiese“ nach sich ziehen müssen. Zum anderen soll ein Beitrag zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme, der effizienten Nutzung bestehender Infrastrukturen sowie zum nachhaltigen Re-Development leerstehender Bausubstanz geleistet werden. Mithin geht es um die Unterstützung nachhaltiger Entwicklungen.

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Forschungsleitfragen

  • Welche „Future Urban Industries“ sind für eine innerstädtische Ansiedlung prädestiniert?
  • Wie definieren diese Industriebranchen/-unternehmen ihren urbanen Kontext und welche Standortanforderungen lassen sich daraus ableiten?
  • Welche Handlungsempfehlungen können auch im Hinblick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Auswahl geeigneter innerstädtischer Standorte gegeben werden?
  • Können (inner-)städtische Brachen, Konversionsflächen etc. den Anforderungen entsprechen?

Forschungskonzeption und Arbeitsschritte

Der Vielschichtigkeit des Themas geschuldet sieht der Forschungsansatz sowohl qualitative als auch quantitative Elemente vor. Dies gilt sowohl für die Grundlagenbildung u.a. zur Identifizierung und Kategorisierung der „Future Urban Industries“ als auch für die Eruierung von relevanten Standortkriterien. Zentrales Element der Forschung ist dabei stets die Anwendungsorientierung. Beispielsweise wird bei der Herleitung der für die innerstädtische Produktion relevanten Produktionsbereiche und Branchen ein Scoring-Modell erarbeitet, welches Basis für eine Portfolioanalyse und damit für die Entscheidungsfindung sein wird. Bei der Erfassung – u.a. über Befragungen – und Clusterung von Standort- und Produktionsanforderungen werden ebenfalls qualitative und quantitative Kriterien verschnitten, um diese dann in Beziehung zu (ideal-)typischen Standortkriterien von innerstädtischen Brach-, Konversionsflächen etc. zu setzen. Über eine Bewertungsmatrix (Matching) können dann differenziert nach verschiedenen „Future Urban Industries“ Empfehlungen für (innerstädtische) Standortansiedlungen gegeben werden.

Der Logik des Forschungsansatzes folgend kommt bei der Untersuchungsmethodik ein Methodenmix zur Anwendung. Mithilfe von Sekundärdatenanalysen und punktuellen Experteninterviews erfolgt die Grundlagenbildung u.a. in Form der Beantwortung allgemeiner Fragestellungen und der Setzung grundlegender Definitionen. Aufbauend auf ersten Kategorisierungen wird eine umfangreiche Befragung von Unternehmen verschiedener, potenzieller Branchen u.a. hinsichtlich deren Anforderungen an einen urbanen Standort durchgeführt.  Daraus lassen sich verschiedene Kriterienkataloge (Standort- und Produktionsanforderungen) ableiten, die dann mit den Ergebnissen von Expertenbefragungen zu den Potentialen innerstädtischer Brach-, Konversionsflächen etc. abgeglichen werden.  Unter Nutzung von Matching-Ansätzen, Nutzwert- und Portfolioanalysen werden Handlungsempfehlungen für die Standortwahl von „Future Urban Industries“ hergeleitet.

  • Arbeitsschritt 1 – Grundlagenbildung
  • Arbeitsschritt 2 – Identifizierung „Future Urbane Industries“ und deren (Standort-) Anforderungen
  • Arbeitsschritt 3 – (rechtliche) Rahmenbedingungen und Auswirkungen urbaner Produktionen
  • Arbeitsschritt 4 – Entwicklung von Handlungsempfehlungen 

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